Ja, ich lebe noch...
Heute ist es endlich soweit: Der Pausenclown wird von der Bühne vertrieben und es kann wieder Leben hier auf der Homepage einkehren.
Schon wieder eine Woche her, dass ich von meinem Kurz-Trip nach Deutschland zurückgekommen bin, genauergesagt von der Reise ins Schweinfurter Theater, denn dort habe ich die meiste Zeit verbracht.
Es war auf jeden Fall eine umwerfende Erfahrung vor 600 Leuten im Scheinwerferlicht auf der Bühne zu stehen und alle Aufmerksamkeit auf sich zu wissen. Toi toi toi - ich habe mich auch noch gut den Text aus der letzten Ecke meiner Gehirnwindungen herauskramen können.
Kaum in Paris angekommen durfte ich in eine andere Rolle schlüpfen. Nein, nicht in die des jugendlichen Liebhabers sondern in die des Knecht Rupprecht. Aber weil die Kinder alle so brav waren (da muss man bei den verzogenen enfants parisiens beide Augen zudrücken), habe ich bei der Nikolausfeier nur Schokolade verteilt ;)
Am Sonntag war dann die Einführung meines neuen, äußerst entspannten Chefs. Nach der Sause betätigte ich mich dann noch als Flughafenzubringer für die hohen Gäste der deutschen Bischofskonferenz - was man nicht alles als Zivi können muss...
Die letzten Tage hat mich dann der Alltag wieder eingeholt und nach den stressigen letzten Wochen war ich hauptsächlich mit Däumchen drehen beschäftigt - ich freue mich jetzt schon auf den 24.12, wenn ich wieder den ganzen Tag auf der Arbeit zubringen darf (Achtung: Ironie)
Irgendwie ist hier immer der absolute stress-overkill oder eben gar nichts. Dennoch habe ich diese Woche aber auch wieder sehr schöne Erfahrungen gemacht. Wie ich in einem früheren Beitrag schon erwähnt habe, gehe ich nun einmal wöchentlich mit einem alten Herren aus dem Viertel spazieren. Monsieur Fouchet, 94 Jahre alt und sowohl körperlich als auch geistig noch topfit, ist wohl das, was man ein wandelndes Geschichts- und Geschichtenbuch nennt. Als Botschafter a.D ist er viel in der Welt herumgekommen, spricht perfekt Englisch und sehr gut Deutsch und nebenbei noch in Reihe anderer Sprachen, wo er in seinem ereignisreichen Leben eben Station machte. Und so erfahre ich jede Woche ein Stück mehr - im Moment sind wir erst bei 1942 und seiner Flucht aus dem besetzen Frankreich durch das faschistische Spanien Francos nach Nordafrika, um sich dort den Streitkräften des freien Frankreichs anzuschließen. Es ist wirklich bewegend, wie genau er sich noch an kleine Details erinnern kann - wie er heimlich die Grenze passierte, wer ihnen auf der Flucht ein Stück Brot in die Hand drückte. Ich bin wirklich schon gespannt, wie diese Fortsetzungsgeschichte weitergeht.
Anstatt wie seine Vorgänger mich dreimal täglich den Hof fegen zu lassen, unterstützt der neue Pfarrer die soziale Komponente meines Aufgabenbereichs. So besuchte ich gestern zum ersten Mal eine Deutsche, die nach dem Krieg einen Franzosen heiratete und seitdem in Paris lebt. Ihr Ehemann ist vor kurzem verstorben und sie fühlt sich sehr einsam, deshalb leiste ich ihr nun gelegentlich Gesellschaft, lese ihr aus der Zeitung vor, gehe mit ihr spazieren, höre ihr einfach zu. Es war so nett, dass mich gleich einlud, zum Abendessen zu bleiben. Danach zeigte sie mir noch eine DVD mit einer Balletaufführung der Pariser Oper - ihre Enkelin ist dort eine danseuse étoile - die prima ballerina und ihr großer Stolz.
Zum Abschluss dieser diesesmal doch etwas langweiligen Aufzähliung meiner Erlebnisse der letzten Tage noch ein kleines Rätsel: Wie schafft man es auf die Gästeliste eines Galadinners der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer zu kommen?
Auflösung: Man ist Zivi in der katholischen Gemeinde deutscher Sprache in Paris und vertritt den dienstlich verhinderten Pfarrer ;)
Das könnte dann der nächste Beitrag werden und ich bin bereits gespannt, welche netten neuen kulinarischen Wörter ich lernen werde...
Schon wieder eine Woche her, dass ich von meinem Kurz-Trip nach Deutschland zurückgekommen bin, genauergesagt von der Reise ins Schweinfurter Theater, denn dort habe ich die meiste Zeit verbracht.
Es war auf jeden Fall eine umwerfende Erfahrung vor 600 Leuten im Scheinwerferlicht auf der Bühne zu stehen und alle Aufmerksamkeit auf sich zu wissen. Toi toi toi - ich habe mich auch noch gut den Text aus der letzten Ecke meiner Gehirnwindungen herauskramen können.Kaum in Paris angekommen durfte ich in eine andere Rolle schlüpfen. Nein, nicht in die des jugendlichen Liebhabers sondern in die des Knecht Rupprecht. Aber weil die Kinder alle so brav waren (da muss man bei den verzogenen enfants parisiens beide Augen zudrücken), habe ich bei der Nikolausfeier nur Schokolade verteilt ;)
Am Sonntag war dann die Einführung meines neuen, äußerst entspannten Chefs. Nach der Sause betätigte ich mich dann noch als Flughafenzubringer für die hohen Gäste der deutschen Bischofskonferenz - was man nicht alles als Zivi können muss...
Die letzten Tage hat mich dann der Alltag wieder eingeholt und nach den stressigen letzten Wochen war ich hauptsächlich mit Däumchen drehen beschäftigt - ich freue mich jetzt schon auf den 24.12, wenn ich wieder den ganzen Tag auf der Arbeit zubringen darf (Achtung: Ironie)
Irgendwie ist hier immer der absolute stress-overkill oder eben gar nichts. Dennoch habe ich diese Woche aber auch wieder sehr schöne Erfahrungen gemacht. Wie ich in einem früheren Beitrag schon erwähnt habe, gehe ich nun einmal wöchentlich mit einem alten Herren aus dem Viertel spazieren. Monsieur Fouchet, 94 Jahre alt und sowohl körperlich als auch geistig noch topfit, ist wohl das, was man ein wandelndes Geschichts- und Geschichtenbuch nennt. Als Botschafter a.D ist er viel in der Welt herumgekommen, spricht perfekt Englisch und sehr gut Deutsch und nebenbei noch in Reihe anderer Sprachen, wo er in seinem ereignisreichen Leben eben Station machte. Und so erfahre ich jede Woche ein Stück mehr - im Moment sind wir erst bei 1942 und seiner Flucht aus dem besetzen Frankreich durch das faschistische Spanien Francos nach Nordafrika, um sich dort den Streitkräften des freien Frankreichs anzuschließen. Es ist wirklich bewegend, wie genau er sich noch an kleine Details erinnern kann - wie er heimlich die Grenze passierte, wer ihnen auf der Flucht ein Stück Brot in die Hand drückte. Ich bin wirklich schon gespannt, wie diese Fortsetzungsgeschichte weitergeht.
Anstatt wie seine Vorgänger mich dreimal täglich den Hof fegen zu lassen, unterstützt der neue Pfarrer die soziale Komponente meines Aufgabenbereichs. So besuchte ich gestern zum ersten Mal eine Deutsche, die nach dem Krieg einen Franzosen heiratete und seitdem in Paris lebt. Ihr Ehemann ist vor kurzem verstorben und sie fühlt sich sehr einsam, deshalb leiste ich ihr nun gelegentlich Gesellschaft, lese ihr aus der Zeitung vor, gehe mit ihr spazieren, höre ihr einfach zu. Es war so nett, dass mich gleich einlud, zum Abendessen zu bleiben. Danach zeigte sie mir noch eine DVD mit einer Balletaufführung der Pariser Oper - ihre Enkelin ist dort eine danseuse étoile - die prima ballerina und ihr großer Stolz.
Zum Abschluss dieser diesesmal doch etwas langweiligen Aufzähliung meiner Erlebnisse der letzten Tage noch ein kleines Rätsel: Wie schafft man es auf die Gästeliste eines Galadinners der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer zu kommen?
Auflösung: Man ist Zivi in der katholischen Gemeinde deutscher Sprache in Paris und vertritt den dienstlich verhinderten Pfarrer ;)
Das könnte dann der nächste Beitrag werden und ich bin bereits gespannt, welche netten neuen kulinarischen Wörter ich lernen werde...
Patrick Lunz - 14. Dez, 23:11


Dementsprechend gestaltet sich die Arbeit an den zwei Tagen sehr kreativ, konstruktiv, mal französisch verplant, mal deutsch penibel, alles in allem jedoch sehr angenehm! Neben der ernsten Arbeit gab es in den ausgedehnten Mittagspausen (es dauert eben, bis man drei Gänge + Café zu sich genommen hat...) und in den abendlichen Kneipentouren reichlich Gelegenheit sich kennzulernen, Adressen zu tauschen, sich zu vernetzten...
So, zurück zum Abend: Ich bin mit David zu Père Louis, einer wirklich urigen Weinkneipe gegenüber der Sorbonne gelegen, in der sich die Weinflaschen an den Wänden stapeln und schon von einer dicken Schicht Staub überzogen sind, die Gäste ungezwungen um große Eichenfässer stehen und eine große alte Bahnhofsuhr die Weinliebhaber vergeblich vor dem Verpassen der letzten métro warnen will. Diese bar à vins kann mit Recht als meine Stammkneipe bezeichnet werden, weil man so eine ungezwunge und lockere Stimmung in Verbindung mit relativ moderaten Preisen eigentlich in Paris recht selten findet. Der Vorteil einer Stammkneipe ist auch, dass man irgendwann die Bekanntschaft des patron macht, der immer für einen Geheimtip zu haben ist. Ich mag weiterhin sehr an dieser Bar, dass man schnell mit anderen Leuten ins Gespräch kommt, zu denen man sich an das Faß gesellt. So habe ich drei nette toulousains - Einwohner der wie ich hörte zauberhaften Stadt Toulouse - kennengelernt, die schon einige Jahre in Paris wohnen (Grund: siehe Pendaison de crémaillière II) und mir noch einige gute Adressen mit netten Ecken in Paris mitgeben konnten. Denn auch wenn Père Louis ein wahnsinnig schöner Flecken in Paris ist - es gibt noch 1000 andere zu entdecken. Es war dann schon wieder zu fortgeschrittener Stunde als ich mich in den mir vertrauten Nachtbus setzte, der mich immerhin bis zur Hälfte der Champs Elysées brachte, so dass noch ein längerer Heimweg auf mich wartete. Doch auch dieser Fußmarsch hat seine Reize: Wann werde nach diesem Jahr noch einmal einen Heimweg über die berühmteste Straße der Welt haben? Ich bin schon gespannt, was der nächste Grund, was die nächste Ausrede, für diesen Heimweg sein wird...
Seit einer Woche sind meine Vorgesetzten nach Deutschland zurückgekehrt, was mir in erster Linie erlaubt, mein Aufgabenprofil nach meinen eigenen Interessen und Fähigkeiten neu zu definieren, wenn ihr versteht, was ich meine ;) Weiterhin sah ich mich in folgedessen in die Lage versetzt, in standesgemäße Räumlichkeiten zu ziehen. Heute morgen weihte ich mein neues Büro mit angeschlossenem Besprechungszimmer (Versailler Spiegelsaal) mit einem französischem Frühstück bestehend aus einer crème und croissants feierlich ein - dazu noch die druckfrische Le Monde als Lektüre. Irgendwie hat das Zivileben in Paris doch seine netten Vorteile....
dessen Bekanntschaft ich eher zufällig vor einer Woche in einer Bar machte, zog nach seinem Studium der Filmwissenschaft von Montpellier nach Paris und fand mit viel Glück eine absolute geniale Wohnung nahe der Bastille. In der 6.Etage mit einem Balkon über den Dächern der Stadt und einer einmaligen Aussicht; mit einem Deckor an der Decke, das an ein Rennaissance-Schloß erinnert ist diese Wohnung ein Schmuckstück, wie man es vielleicht nur noch in Paris finden kann.
Denkt man an französische Musik, so sind die ersten Assoziationen wahrscheinlich: Akkordeonspieler mit Baskenmütze, Ohhhh Champs Elysées, Edith Piaf, Jacques Brel, etc...(Johnny Hallyday - DEN Star der französischen Musikszene - kennt man in Deutschland zum Glück nicht) Das ist alles zwar ganz nett, aber nicht wirklich das, was sich die junge Generation unbedingt anhören würde. Dabei wird übersehen, dass es in Frankreich eine zeitgenössische muttersprachliche Musikszene gibt, die um so viel reicher ist als hier in Deutschland das Schlagergedudel auf Bayern 1. Mittlerweile tut sich in dieser Hinsicht zum Glück einiges, aber der Rückstand ist enorm. Das Grundproblem bleibt indes bestehen - der Stolz auf die Sprache. Während in Frankreich die Muttersprache ein wahres Heiligtum darstellt, sodass jeder Einfluss von Anglizismen geradezu als Blasphemie gilt und deshalb die academie française über den korrekten Gebrauch des Französischen wacht, während hier die Fähigkeit mit der Sprache spielen zu können geradzu zur Allgemeinbildung gehört, ist man in Deutschland schnell mit win-win-situations und meetings bei der Hand. Nebenbei: Deutsch zu texten und zu singen hat eben nicht so viel sex-appeal 
Deutschland zum anlässlich der Verabschiedung des scheidenden Pfarrers, meines Vorgesetzten, zum Mittagessen eingeladen. Unter der wehenden schwarz-gold-roten Flagge öffnete sich die Tür in der rue Marbeau zu einem stilvollen Hotel im Stil des Second Empire - zwei Butler im weißen Frack, mit weißen Handschuhen versteht sich, nehmen den Mantel ab und geleiten in den Salon, servieren Sekt - Taittinger - noblesse oblige...Nach der Ansprache durch den stellvertretenden Botschafter geht es weiter in den Speisesaal - Herr Lunz steht auf der Tischkarte mit Bundesadler. Die Serviette, natürlich mit Bundesadler, gekonnt über den Schoß gelegt, die Speisekarte studierend, natürlich mit Bundesadler, im Gespräch mit der Tischdame vertieft. Zur Vorspeiße gibt es velouté de châtaigne et son escalope de foie gras poêlé - fragt mich nicht, was das genau heißt - ich glaube Edelkastaniepüree mit gekochter Leber. Danach gab es suprême de volaille jaune herbes sous la peau marinés au miel, gefolgt von moelleux tiède au chocolat et son coulis de mangue - die Faustregel sich mit dem Besteck, natürlich mit Bundesadler, von außen nach innen sich tasten hat gute Dienste geleistet. Es war wirklich ein Festessen, natürlich mit einem durch den Gastgeber speziell ausgewählten Wein zu jedem Gang, der von den Butler natürlich wieder aufgefüllt wurde, sobald man auch nur einen Schluck genommen hatte. Zum Glück bin ich das Weintrinken zum Essen schon gewöhnt , ansonsten wäre das etwas zu heiter geworden ;) Danach ging es für den Café wieder in den Salon - Smalltalk mit der Kulturreferentin der Botschaft, Kontakte sind das Wichtigste...