Nachtrag: Champagner beim Empfang in der assemblée nationale
Um die Liste der Getränke zu vervollständigen, die ich sozusagen verpflicht bin dienstlich zu mir zu nehmen, muss ich natürlich dieses mythische Getränk aus der Champagne hinzufügen. Ein Getränk, für das man minimal 15€ pro 0,75 l Flasche auf den Ladentisch legen muss, das die Kinder hier im XVI Arrondissement vermutlich in ihrer Nuckelflasche haben und das integraler Bestandteil jeden gesellschaftlichen Ereignisses ist. In der Tat, es ist hier nicht vorstellbar, dass ein Empfang, ein soirée oder sonstiges offizielles Zusammmentreffen stattfinden könnte, ohne dass Champagner gereicht würde. Jedes andere Getränke, vor allem Sekt, würde den Gastgeber als Geizkragen erscheinen lassen, der nicht bereit ist, sich die Gesellschaft seiner illustren Gäste etwas kosten zu lassen. Der Franzose an sich ist halt gerne etwas prätentiös...
Selbstverständlich, dass der Präsident der assemblée nationale, Monsieur Jean-Louis Debré diesen Verdacht nicht auf sich kommen lassen wollte. Deshalb gab es anlässlich der Verleihung des deutsch-französischen Parlamentspreises im wunderschönen an die assemblée nationale angeschlossenen Hôtel de Lassy Champagner. Als Vertreter der deutschsprachigen Pariser erhielten der Pfarrer und über Umwege auch ich (vgl. letzten Beitrag) eine Einladung, an diesem Ereignis teilzunehmen.
Einmal mehr war es sehr interessant, wie viel Wert der Franzose auf ein makelloses Protokoll legt. Am Treppenaufgang, auf dem ein roter Teppich ausliegt, stehen auf beiden Seiten 6 Nationalgardisten in Paradeuniform, die - ich nehme als Begrüßung - nette Kunststücke mit ihren Degen aufführen. An der Garderobe steht vor mir ein Mann mit einem auffällig rotem Bart
- das ist doch... "Guten Morgen, Herr Thierse", stelle ich mich vor und lerne bei der Gelegenheit die anderen Vizepräsidenten des Bundestages sowie den Präsidenten Norbert Lammert kennen.
Jetzt fehlt auf meiner Liste eigentlich nur noch Angie die Kanzlerin und Horst der Bundespräsident, dann habe ich den drei wichtigsten Repräsentanten des Staats die Hand geschüttelt ;) Nach der Laudatio auf die beiden Ausgezeichneten des Parlamentspräsidenten und dem unvermeidlichen Champagnerempfang kam ich dann noch in den Genuss einer Privatführung durch die Räumlichkeiten der Nationalversammlung inklusive dem Plenarsaal.
Auch hier drängte sich etwas der Eindruck auf, dass die fehlende politische Macht - Frankreich ist eine Präsidialdemokratie mit einer starken Machtkonzentration auf den höchsten Mann (bald Frau?) im Staat - durch umso prachtvolleres Dekor kompensiert wurde.
Wie gesagt, der Schein hat manchmal mehr Wert als das sein. So, nun werde ich noch einen Gast unserer Gemeinde aus der Zentrale in Bonn zum Flughafen bringen und dann ist auch dieser ereignisreiche Tag wieder vergangen. Wie die Zeit vergeht, am Ende des Monats bin ich dann 6 Monate in Paris...

Selbstverständlich, dass der Präsident der assemblée nationale, Monsieur Jean-Louis Debré diesen Verdacht nicht auf sich kommen lassen wollte. Deshalb gab es anlässlich der Verleihung des deutsch-französischen Parlamentspreises im wunderschönen an die assemblée nationale angeschlossenen Hôtel de Lassy Champagner. Als Vertreter der deutschsprachigen Pariser erhielten der Pfarrer und über Umwege auch ich (vgl. letzten Beitrag) eine Einladung, an diesem Ereignis teilzunehmen.
Einmal mehr war es sehr interessant, wie viel Wert der Franzose auf ein makelloses Protokoll legt. Am Treppenaufgang, auf dem ein roter Teppich ausliegt, stehen auf beiden Seiten 6 Nationalgardisten in Paradeuniform, die - ich nehme als Begrüßung - nette Kunststücke mit ihren Degen aufführen. An der Garderobe steht vor mir ein Mann mit einem auffällig rotem Bart
- das ist doch... "Guten Morgen, Herr Thierse", stelle ich mich vor und lerne bei der Gelegenheit die anderen Vizepräsidenten des Bundestages sowie den Präsidenten Norbert Lammert kennen. Jetzt fehlt auf meiner Liste eigentlich nur noch Angie die Kanzlerin und Horst der Bundespräsident, dann habe ich den drei wichtigsten Repräsentanten des Staats die Hand geschüttelt ;) Nach der Laudatio auf die beiden Ausgezeichneten des Parlamentspräsidenten und dem unvermeidlichen Champagnerempfang kam ich dann noch in den Genuss einer Privatführung durch die Räumlichkeiten der Nationalversammlung inklusive dem Plenarsaal.
Auch hier drängte sich etwas der Eindruck auf, dass die fehlende politische Macht - Frankreich ist eine Präsidialdemokratie mit einer starken Machtkonzentration auf den höchsten Mann (bald Frau?) im Staat - durch umso prachtvolleres Dekor kompensiert wurde. Wie gesagt, der Schein hat manchmal mehr Wert als das sein. So, nun werde ich noch einen Gast unserer Gemeinde aus der Zentrale in Bonn zum Flughafen bringen und dann ist auch dieser ereignisreiche Tag wieder vergangen. Wie die Zeit vergeht, am Ende des Monats bin ich dann 6 Monate in Paris...
Patrick Lunz - 14. Feb, 15:41


Und so nehme ich in seit drei Wochen mit in mein Büro, um mit ihm die ersten Schritte am Computer zu gehen und die unbegrenzten Möglichkeiten des Internets zu entdecken zu lassen. Damit das ganze in einer entspannten Atmosphäre abläuft, ist es laut M Fouchet natürlich unerlässlich, dabei gemeinsam ein Bier zu trinken. Welche ein Job, bei der man während der Arbeitszeit das Trinken nicht verboten sondern im Gegenteil sogar erwünscht ist (Wein an Kirchengemeinderatssitzungen, Frühschoppen am Sonntag; Bier mit M Fouchet und an Sommerfesten; Whiskey beim apéro mit Mme Dubaquier, der coolsten Oma im XVI Arrondissement, der ich auch noch einen Artikel widmen muss...) Aber auch ohne des Bieres wäre es mit M Fouchet eine absolut entspannte Angelegenheit, auch wenn es nicht so ganz einfach ist, jemanden zu erklären der noch nie vor einem PC saß, wie das so genau mit der Maus funktioniert und wo genau man die Internetadresse hinschreiben muss. Aber ich habe einen sehr motivierten und gelehrigen Schüler, sodass wir schon große Fortschritte machten. Wenn ich ihn dann um 18h wieder bis vor seine Tür bringe und er sich mit einem großen Grinsen veraschiedet und ich merke, wie sehr er sich auf nächste Woche freut - dann habe ich das Gefühl, einen sinnvollen Arbeitstag verbracht zu haben.
Filmschauspielerinnen ist, auf einer Stufe mit Emmanuelle Béart, Cathérine Deneuve, Ludivine Sagnier oder auf männlicher Seite Gérard Dépardieu. So kam es, dass ich den heutigen Tag in der Entourage DER Adjani, wie sie Frankreich erfürchtig genannt wird, verbrachte. Warum sie diesen Namen trägt wird klar, als sie durch die Kirchentüren von St Clotilde, einer wunderschönen gothischen Basilika in Sichtweite der assemblée nationale, tritt. Ganz ein schwarz, das Gesicht zum Schutz vor den Paparazzi von einem schwarzen Schleier bedeckt, nimmt sie mit ihrer Aura den ganzen Raum von sich ein. Das, was man unter dem Schleier entdecken kann, liese eher auf eine 35-Jährige als auf eine 52-Jährige schließen. Ihr folgen ihre Privatsekretärin und einige unauffällige Männer mit dünnen schwarzen Krawatten. Gerne hätte ich einige Fotos gemacht, aber der Respekt vor ihrer Privatspähre und vor allem den Muskeln ihrer unauffälligen Begleiter hat mich dann schnell vom Gegenteil überzeugt. Auf den Weg zum Friedhof geht es dann in abgedunkelten Limosinen. Dort angekommen, hatte ich die Gelegenheit einige Worte mit ihr zu wechseln. Wirklich eine sehr nette Frau - hat sich sogar bei mir bedankt, wie gut ich mich um alles kümmere und wie aufbauend die Predigt gewesen sei ;) (gut, ich habe es nur übersetzt, aber immerhin...) Als ich wieder in meinem Zimmer stand, ihr Privatchauffeur hat es sich nicht nehmen lassen mich bis vor die Haustüre zu bringen, hatte ich die Nummer ihrer Agentin. Falls ich Freikarten für Theater oder sonstirgendetwas bräuchte...Und das ist nun wirklich wichtiger, als irgendein Foto, das man sich sowieso aus dem Internet ziehen kann ;)
Wenn ich mit der Métro über die Brücke Bir-Hakeim fahre und der Eifelturm aus dem Nichts auftaucht, blicke ich mittlerweile nur noch selten aus meiner Zeitung auf, während dieses Erlebnis in der Anfangszeit einen großen Bericht wert gewesen wäre.
Letzte Woche war ich bei einer Diskussionsrunde mit dem deutschen Europaminister Günter Gloser in den Räumen der assemblée nationale, der Nationalversammlung. Ohne zu tief in die Details einsteigen zu wollen hat es mich gefreut, dass Deutschland seine Ratspräsidentschaft nutzt, um den Verfassungsprozess voran zu bringen. Hier in Frankreich geht vor der Präsidentschaftswahl in 3 Monaten sowie in dieser Hinsicht nichts mehr voran, aber hoffentlich kann der neue Präsident, sei es Ségo oder Sarko, neue Impulse geben. Im besten Fall sogar die Franzosen dazu zu bringen, ihr non zu überdenken.
Diesen langen und hoffentlich nicht auf lange Zeit letzten Beitrag möchte ich mit einem Bild abschließen, dass meine Lieblingsbeschäftigung zeigt: Entspannen/Schlafen im Jardin du Luxembourg. Sonntag Nachmittag, nach einer kurzen Nacht und der frühen Arbeit mich in die Linie 82 setzen, an Eiffelturm/Invalides/Montparnasse vorbei, nach einer halben Stunde aus dem Bus in den Park, auf den Stuhl, Beine hoch, und je nach Schlafmangel Zeitung raus oder Augen zu und dann die Sonne genießen. Den Entspannungswert steigert ernorm, wenn man in dieser Haltung solange verharrt, bis die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwunden sind - Paris je t'aime
